Enttäuscht über Verlauf der Gespräche
zur Gestaltung der Energiewende

ARGE-Energiegenossenschaften trafen sich gestern in Oberrosphe

Wetter-Oberrosphe (rhä). »Wir sind über den bisherigen Verlauf der Gespräche von Politikern und Experten zur Gestaltung der angekündigten Energiewende unter dem Strich sehr enttäuscht«, äußerte sich Wolfgang George als Sprecher der ARGE-Energiegenossenschaften gestern anlässlich eines Forums im Bioenergiedorf Oberrosphe.

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Zu einer Konferenz der ARGE-Energiegenossenschaften trafen sich gestern
Mitglieder im Bioenergiedorf Oberrosphe.

 

In nahezu allen Diskussionen, die bisher geführt wurden, seien, nach Aussage Georges insbesondere zwei wesentliche Aspekte nicht klar herausgearbeitet worden. Der mit dem Umbau auf eine dezentrale Energieversorgung entstehende regionale Wertschöpfungsprozess führe von Beginn an dazu, dass zeitnah bis zu 80 Prozent des Ertrags in der Region verblieben. »Wenn den Bürgern schon Angst gemacht werden soll, dann eigentlich nur davor, dass die Ölscheichs der Zukunft die Land-und Forstwirte werden könnten«, sagte George.

Zweitens seien sich Experten. und Politiker einig, dass die Bürger einbezogen werden müssten, es gebe aber keinen stabilen Weg, wie dies auch tatsächlich gelingen könne. Dabei sei auch hier die Antwort denkbar einfach: »Die Bürger müssen zu ökonomischen Gewinnern der Energiewende gemacht werden. Wie dies gelingen kann, steht seit über 150 Jahren fest und braucht nicht neu erfunden zu werden: in Genossenschaften«, erklärte George. Wenn die Menschen schon gewisse Nachteile in Kauf nehmen müssten — er persönlich fände Windmühlen ästhetisch und leiser als der übliche Autolärm —, so müssten diese zu »Mitgewinnern« der Erneuerung werden. Dies gelinge in Genossenschaften, höchst verlässlich: regionale Genossenschaften, in denen neben der Kommune auch die regionale Wirtschaft eingebunden werden solle.

»Gelingt hier eine vernünftige Balance der Interessen, werden auch nicht alle Menschen über Nacht zu Fans der regenerativen Energien. Aber die Diskussionen könnten auf einem lösungsorientierten Niveau geführt werden«, meinte Hans-Jochen Henkel, der Vorstand des Bioenergiedorfs Oberrosphe. Es sei überraschend, dass die meisten Menschen inzwischen ein Bild davon hätten, was ein Bioenergiedorf sei, aber nicht davon, dass die Mitglieder quasi allesamt in der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft organisiert seien.

Die Botschaft der ARGE sei eindeutig und zugleich deren Leitvision: Überall, wo es möglich ist, sollten dezentral und zugleich miteinander verbunden Energiegenossenschaften gegründet und durch eigene Energieproduktion ein Beitrag zur Zukunftsgestaltung geleistet werden. Genossenschaftlich organisierte Energieproduktion bedeute dabei für die ARGE, dass die Bürger grundsätzlich mit einbezogen werden.

Die »ARGE-Energiegenossenschaften« vertritt über 100 Energiegenossenschaften mit mehreren Tausend Mitgliedern aus neun Bundesländern. Sämtliche Formen der Energieproduktion