Die IGES (Interessengemeinschaft Energieeffizienz Schöffengrund) hat vor kurzem das 830 Einwohner zählende "Bioenergiedorf" nördlich von Marburg besucht.

Hans-Jochen Henkel, einer der Ehrenamtlichen aus dem Dorf, erzählte den staunenden Besuchern, wie 2006 mit einem Beschluss des Ortsbeirates der Prozess zur Entwicklung als Energiedorf begann.

Eine Genossenschaft wurde gegründet und alle Fördermöglichkeiten von Land und Bund für das ehrgeizige Vorhaben eruiert. Heute sind von etwa 240 Haushalten 124 an das eigene Energienetz angeschlossen.

Nahwärmenetz über 7000 Meter

Mit einem Bioheizkraftwerk werden seit Oktober 2008 über ein 7000 Meter verzweigtes Nahwärmenetz die Haushalte versorgt. Der große Vorteil gegenüber Sonne und Wind ist laut Henkel, dass Biomasse lagerfähig und ganzjährig verfügbar sei. Außerdem biete die Biomasse als heimischer Energieträger (Bioabfall, Holz von Buche, Pappel, Fichte Erle - alles aus der näheren Umgebung) eine hohe Versorgungssicherheit und sei zudem kostengünstig.

Eine 1300 Quadratmeter große Photovoltaikanlage, die in Eigenleistung montiert wurde, ging im Dezember 2008 ans Netz. Das Überwachen und Betreiben der Anlagen erfolgt ausschließlich ehrenamtlich durch Genossenschaftsmitglieder.

Besonders interessant war für die IGES zu hören, wie die Oberrospher für das gesamte Vorhaben gewonnen werden konnte: Zu Beginn wurden alle Haushalte aufgesucht und informiert. Überzeugend seien für viele die zu erwartenden Vorteile für die einzelnen Haushalte gewesen: keine Schornsteinfegergebühren, keine Heizungswartung, keine Abhängigkeit von Öl- und Gaspreisen.

600 Euro weniger pro Haushalt

Außerdem entstünden insgesamt 50 Prozent weniger CO2-Emissionen im Dorf; umgerechnet auf den Ölverbrauch bei zurzeit 124 angeschlossenen Haushalten entspreche das ca. 300 000 Litern Heizöl weniger als zuvor , die nicht verbraucht werden - eine Ersparnis pro Haushalt von ungefähr 600 Euro pro Jahr.

Neidvoll und bewundernd hörten die Besucher zum Abschluss, dass sich im Kreis Marburg-Biedenkopf, in dem auch Oberrosphe liegt, noch weitere 13 Bioenergiedörfer befinden. "Das müsste doch für Schöffengrund ein Ansporn sein", sagte Helmut Wiewiorra von der IGES.

- Das nächste Treffen der IGES findet am Freitag, 14. November, im Backhaus in Niederwetz statt. Alle Interessierten sind eingeladen.

 

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